Vernetzungstreffen im Rückblick: Wertschöpfung in der Nische am Beispiel von Quinoa
Aktualisiert: vor 7 Tagen
Wie können Nischenkulturen wie Quinoa erfolgreich etabliert werden und so zu mehr Proteinvielfalt in der Landwirtschaft beitragen? Genau darum ging es bei unserem letzten Vernetzungstreffen.
Dabei wurde deutlich: Nicht nur die Anbaubedingungen entscheiden über den Erfolg einer Kultur. Vor allem Vermarktung und funktionierende Wertschöpfungsketten sind entscheidend. Europas größter Quinoa-Produzent MuddaNatur und das Forschungsprojekt PLANTEIN gaben Einblicke in ihre Praxis und zeigten, wo Chancen, aber auch Herausforderungen liegen.

Inwieweit ist Quinoa als Anbaukultur in Deutschland etabliert?
Quinoa ist in Deutschland noch eine vergleichsweise junge Kultur. Dennoch zeigen die bisherigen Erfahrungen, dass der Anbau unter geeigneten Bedingungen gut funktionieren kann. Dabei sind Spitzenerträge von bis zu 4 Tonnen Brutto- bzw. 3 Tonnen Nettoertrag pro Hektar möglich. Darüber hinaus gilt Quinoa als sehr trockenresistent und gedeiht gut auf humusreichen Böden mit Wirtschaftsdünger, was für Biobetriebe von Vorteil ist.
Doch damit aus diesem Potenzial auch ein tragfähiges Geschäft wird, braucht es mehr als gute Erträge, vor allem ein klares Alleinstellungsmerkmal und Zugang zu neuen Absatzmärkten. Hier hat MuddaNatur früh angesetzt: Normalerweise muss Quinoa vor dem Verzehr geschält und gewaschen werden, um die bitteren Saponine loszuwerden. MuddaNatur hat dagegen eigene saponinfreie Sorten gezüchtet. Das Alleinstellungsmerkmal liegt damit nicht allein in der Regionalität, sondern in einer konkreten Produkteigenschaft. Genauso entscheidend bei Nischenkulturen ist der Blick auf die Nachfrage im Einzelhandel und bei Konsument*innen, weshalb MuddaNatur zukünftig Chia mit in ihr Portfolio aufnehmen will.
MuddaNatur
Ist Europas größter Bio-Quinoa-Produzent. Gemeinsam mit rund 100 Landwirtinnen und Landwirten kultivieren sie deutschlandweit Quinoa auf über 1.000 Hektar Anbaufläche. Bekannt wurde das Unternehmen durch seinen Auftritt in der Höhle der Löwen.
Wie jung die Branche trotzdem ist, zeigt sich an der Infrastruktur und den Verarbeitungskapazitäten. Angebaut und getrocknet wird bei Partnerbetrieben. Danach geht die Ernte über ein deutschlandweites Netz an Reinigungsanlagen zur Weiterverarbeitung. Dafür arbeitet MuddaNatur aktuell mit nur zwei Mühlen zusammen, eine in Südtirol, die andere in Bremen, der einzigen hierzulande, bevor Hersteller die letzten Verarbeitungsschritte übernehmen. Gleichzeitig wächst die Anbaufläche. 2026 waren es rund 1.000 Hektar, im kommenden Jahr sollen es 2.000 werden. Das Beispiel zeigt, dass mit wachsenden Erträgen auch die Strukturen entlang der Wertschöpfungskette wachsen müssen.
Warum ist Vermarktung bei Nischenkulturen so schwierig?
Bei Kulturen wie Quinoa ist oft die größte Frage, wer die Ernte am Ende abnimmt. Vertragsanbau ist in solchen Nischenkulturen noch die Ausnahme und für Landwirt*innen bedeutet das aktuell viel Eigenarbeit in der Vermarktung. Wie schwierig die Vermarktung im Einzelfall wird, hängt laut PLANTEIN stark von der jeweiligen Kultur ab.
Häufig stehen Landwirt*innen dabei vor einem klassischen Henne-Ei-Problem: Es braucht Absatzmärkte, damit sich der Anbau lohnt, aber auch ausreichende Ernte, damit sich neue Absatz- und Verarbeitungsstrukturen entwickeln können.
Um das Risiko zu verringern, kann es sinnvoll sein, sich bereits vor dem Anbau um Abnehmer*innen zu kümmern. Hier kann ein Einstieg über Bio-Zertifizierung und Direktvermarktung die Umstellung begünstigen.
Genauso wichtig ist, was nach der Ernte passiert. Wer Veredelungsschritte wie Reinigung oder Verarbeitung selbst übernimmt, kann einen größeren Teil der Wertschöpfung auf dem eigenen Betrieb halten. Das gilt auch für Reststoffe und Nebenprodukte, die sich oft noch wirtschaftlich nutzen lassen.

PLANTEIN
Ist ein Verbundprojekt der Landwirtschaftskammern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe, das untersucht, wie Nischenkulturen die Wertschöpfung landwirtschaftlicher Betriebe diversifizieren können. Gefördert wird das Vorhaben durch das Chancenprogramm Höfe des BMLEH.
Quinoa steht dabei stellvertretend für größere Herausforderungen bei Nischenkulturen. Die Aussichten für pflanzliche Proteine sind grundsätzlich gut: Der Markt der Superfoods wächst, Erzeugergemeinschaften eröffnen neue Wege, und die gestiegenen Preise für Molkeproteine machen pflanzliche Proteinquellen zunehmend attraktiv. Gleichzeitig bremsen eine lückenhafte Infrastruktur und Konkurrenz aus dem Ausland. Eine zentrale Voraussetzung bleibt die Planbarkeit. Gerade wenn Dienstleister wie Aufbereiter investieren müssen, lohnt sich das nur mit verlässlicher Kontinuität.
Auf einen Blick
Ein klares Alleinstellungsmerkmal kann helfen, sich auf dem Markt zu positionieren
Absatzmärkte und Wertschöpfungsketten sollten von Anfang an mitgedacht werden
Damit Nischenkulturen wachsen können, braucht es verlässliche Strukturen und langfristige Planbarkeit
Um die Rolle politischer Rahmenbedingungen geht es im nächsten Vernetzungstreffen am 20. Oktober, gemeinsam mit Germanwatch und Prof. Muskolus von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Mehr Infos folgen in Kürze.
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